Haltung, Menschenbild und wissenschaftliche Orientierung
In meiner Arbeit ist mir eine Haltung wichtig,
die jeden Menschen als Mensch wahrnimmt
und ihm grundsätzlich mit Würde und Gleichwertigkeit begegnet.
Das bedeutet für mich: zuzuhören, ernst zu nehmen,
nicht vorschnell einzuordnen oder festzulegen,
sondern verstehen zu wollen – auch dort,
wo Erfahrungen, Sichtweisen oder Lebenswege
nicht den gängigen Erwartungen entsprechen.
Diese Haltung ist Ausdruck eines Menschenbildes,
das davon ausgeht, dass niemand über dem anderen steht –
nicht aufgrund von Leistung, Herkunft, Funktion
oder persönlicher Überzeugungen.
Sie prägt meine Arbeit grundlegend.
Gleichzeitig setzt sie keine bestimmte weltanschauliche
oder religiöse Position bei den Menschen voraus,
mit denen ich arbeite.
Religiöse oder spirituelle Überzeugungen
sind kein methodischer Bestandteil meiner Beratung oder meines Coachings.
Sie können jedoch Thema werden,
wenn sie für das Erleben, die Entscheidungen
oder inneren Konflikte einer Person bedeutsam sind.
Ich erlebe Glauben dabei sowohl als Ressource
als auch als möglichen Belastungsfaktor –
abhängig von biografischen Erfahrungen, Prägungen
und den jeweiligen Bindungskontexten.
Mein Anspruch ist es, solche Themen offen, respektvoll
und ohne Wertung zu betrachten –
nicht um Überzeugungen zu vermitteln,
sondern um Menschen in ihrer eigenen Klärung zu unterstützen.
Ebenso wichtig ist mir eine wissenschaftliche Orientierung.
Nicht, weil Wissenschaft einfache Antworten liefert,
sondern weil sie hilft, vorschnelle Gewissheiten zu hinterfragen.
Menschen denken nicht neutral.
Wir alle arbeiten mit Vorannahmen, Deutungsmustern
und inneren Modellen.
Das ist notwendig, um Orientierung zu gewinnen –
bedeutet aber auch,
dass Wahrnehmung immer gefärbt ist
und Urteile selten so objektiv sind,
wie sie sich anfühlen.
Gerade deshalb halte ich es für zentral,
sich der eigenen Annahmen bewusst zu werden
und sie immer wieder zu prüfen –
nicht nur bei Klient:innen, sondern auch bei mir selbst.
Eine wissenschaftliche Haltung verstehe ich dabei
als Bereitschaft zur Überprüfung:
Hypothesen zu bilden, sie kritisch zu hinterfragen
und sie zu verwerfen,
wenn sie sich nicht tragen lassen.
In diesem Sinne bedeutet evidenzorientiertes Arbeiten für mich
keine Engführung, sondern Offenheit:
für Lernen, für Korrektur
und für neue Perspektiven.
Vielleicht lässt sich meine Arbeitsweise so zusammenfassen:
Ich begegne Menschen mit Respekt und Zugewandtheit –
und zugleich mit dem Anspruch,
meine eigene Wahrnehmung nicht absolut zu setzen.
Denn Sorgfalt im Umgang mit psychischem Erleben
ist für mich ebenso selbstverständlich
wie Sorgfalt in anderen verantwortungsvollen Bereichen.
Beides zusammen – Haltung und Reflexion,
Zugewandtheit und kritisches Denken –
bildet die Grundlage meiner Arbeit.
Akademische Einordnung
Meine psychologische Ausbildung hat meinen Blick auf Menschen und Zusammenhänge wesentlich geprägt.
In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit der Replikationskrise in der Psychologie beschäftigt und untersucht, wie belastbar empirische Ergebnisse tatsächlich sind, wenn statistische Kennzahlen isoliert betrachtet werden.
Meine Masterarbeit widmete sich der Wahrnehmung von Netzwerkstrukturen und der Frage, wie Menschen komplexe Informationen erfassen und sinnvoll nutzen.
Diese Auseinandersetzungen haben mein heutiges Arbeiten beeinflusst:
Ich begegne Komplexität mit Respekt, arbeite evidenzbasiert und vermeide vorschnelle Vereinfachungen – in Forschung ebenso wie in der Beratung.
Was mich geprägt hat
Ich habe das Leben zuerst von innen kennengelernt.
Nicht entlang gerader Wege,
sondern in Brüchen, Übergängen und Verantwortungen.
Früh fiel mir auf,
was für andere selbstverständlich wirkte
und scheinbar mühelos funktionierte –
für mich aber andere Wege brauchte.
Ich sah die Linien,
die für andere klar und eindeutig waren.
Doch ich sah auch ihre Schichten,
Übergänge und Spannungen –
und zugleich das,
was zwischen ihnen lag
und oft übersehen wurde.
Nicht weil mir Klarheit fehlte,
sondern weil Wahrnehmung für mich
selten eindimensional war.
Erst später kam die Psychologie hinzu.
Nicht als Korrektiv für Erlebtes,
sondern als Sprache für das,
was längst gesehen war.
Vielleicht liegt darin mein Blick:
zwischen Struktur und Eigenart,
zwischen Ordnung und Mehrdeutigkeit,
zwischen dem, was gilt –
und dem, was zusätzlich wahr ist.
